Seit 2005 kön­nen sich Pädophile gezielt the­ra­peu­ti­sche Hilfe holen, damit sie nicht zu Tätern wer­den. Aber Kinderpornografie und damit Kindesmissbrauch gibt es noch immer. Ich habe zwei Ermittler getrof­fen, die den Tätern auf die Spur kom­men wol­len. Eine Sache ist mir am Ende klar: Ein Staat, der sei­ne Kinder nicht schützt, schützt am Ende nie­man­den mehr. 

Text erschie­nen bei Krautreporter

Die Polizeidirektion in Hannover ist ein­ge­rich­tet, als habe jemand, dem man Geld für das Einrichten von Räumen gibt, kei­nen Bock mehr gehabt. Im Flur sta­peln sich mys­te­riö­se Pappkartons ohne Aufschrift. Ein Konferenztisch, drei oder vier Thermoskannen mit Kaffee, ein Drucker. Das Klo ist kaputt.

Warum bin ich hier?

Am Institut für Sexualwissenschaften der Berliner Charité gibt es seit elf Jahren das Projekt „Prävention von sexu­el­lem Missbrauch im Dunkelfeld“. Heute — Ende Oktober 2016 — stellt die Initiative ihre aktu­el­len Ergebnisse vor. Darum bin ich bei zwei Ermittlern zu Gast. Frank Puschin ist 41, ein sport­li­cher Mann und Polizeihauptkommissar im Dezernat 38, Cybercrime, Landeskriminalamt Hannover. Ihm gegen­über sitzt Ralf Buhmann, 48 Jahre. Typ: Holzfällerhemd. Der Kriminalkommissar arbei­tet bei der Polizei in Hannover: Fachbereich Kinderpornografie.

Ralf Buhmann: Also, ich küm­me­re mich im Zentralen Kriminaldienst — flap­sig wer­den wir ja Kripo genannt — um Sexualdelikte. Das sind alle Straftaten, die im Strafgesetzbuch unter Delikte gegen die sexu­el­le Selbstbestimmung fal­len: Vergewaltigungen, sexu­el­ler Missbrauch, schwe­rer sexu­el­ler Missbrauch sowie das Verbreiten, Besitzen und Anfertigen von Kinder- und Jugendpornografie.

Frank Puschin: Erzähl den Leuten doch mal, war­um es dafür eine zen­tra­le Stelle gibt, das wis­sen die bestimmt nicht. Die den­ken doch: Man geht zur Polizei und macht eine Anzeige.

Buhmann: Stimmt ja auch, in den meis­ten Fällen. Aber für bestimm­te Deliktgruppen – zum Beispiel auch Brand- und Tötungsdelikte – braucht man spe­zi­el­les Fachwissen. Zudem sind sie nicht so häu­fig. Hätte jede Dienststelle da einen für, der wür­de nur Däumchen dre­hen. Jetzt bist Du dran.

Puschin: Ich wie­der­um befas­se mich mit Cybercrime. Das bedeu­tet, bei uns mel­den sich vor­ran­gig Wirtschaftsunternehmen aus Niedersachsen, die Opfer eines Hackangriffs auf deren Infrastruktur gewor­den sind. Und wir koor­di­nie­ren dann die Ermittlungen.

Buhmann: Ich glaub, die Leute ver­ste­hen nicht, war­um Du hier sitzt. Ich: Sexualdelikte. Du: Hackangriffe…

Puschin: Ah, stimmt! Also: Ralf und ich haben ein paar Schnittstellen. Ich habe vor ein paar Jahren eine Software pro­gram­miert, die den Kollegen von sei­nem Dezernat, die hän­di­sch die­ses belas­ten­de Material angu­cken müs­sen, eine Datenbank an die Hand gibt: Die Software sam­melt alles, was wir an Kinderpornografie gefun­den haben und wir ver­schlag­wor­ten es dort. So kön­nen alle, die neu­es Material fin­den, gucken, ob wir es haben, wo es gefun­den wur­de, was dar­über bekannt ist. Früher mus­s­te man es dann immer und immer wie­der gucken. Das ist sehr belas­tend für die Kollegen.

Buhmann: Wenn wir neu­es Material fin­den, zum Beispiel auf einem beschlag­nahm­ten Rechner, glei­chen wir das mit Franks Datenbank ab.

Puschin: Genau. Und dann haben wir schon Informationen über Täter, Fundorte oder ähn­li­ches Material, wenn es aus einer Serie stammt. Oft sind es näm­li­ch auch Serien – Bilder und Videos.

Riesiges Dunkelfeld

Früher, als es noch kein Internet gab, muss­ten Leute, die sich sol­ches Material besor­gen woll­ten, Postadressen aus­tau­schen oder ver­schlüs­sel­te Chiffre-Kleinanzeigen schal­ten. Heute, im Internet, ist das natür­li­ch viel kom­for­ta­bler: Es gibt Foren, in denen Leute Bilder tau­schen oder Erfahrungen oder ein­fach unver­blümt schrei­ben.

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik des BKA sind die Fälle von sexu­el­lem Missbrauch an Kindern in den letz­ten Jahren gesun­ken: 11.800 waren es im ver­gan­ge­nen Jahr. Das Problem ist, wie mit allen Statistiken, dass die­se eben nur erfas­sen, was bekannt wird. Das Dunkelfeld, sagen Experten, sei weit grö­ßer. Vom Acht- bis Dreißigfachen ist die Rede. „Kinderpornografie“ ist dabei nicht das rich­ti­ge Wort, weil der Begriff „Pornografie“ in die­sem Kontext völ­lig unpas­send ist. Betroffenenverbände und Forscher spre­chen daher von „Missbrauchsdarstellungen“.

Buhmann: Wir müs­sen die Bilder und Filme auch immer sich­ten und vor­sor­tie­ren. Das macht jemand also vor dem Rechner: Bild für Bild, Video für Video, mit Franks Software.

Puschin: Wir unter­schei­den dann: Kinderpornografie bis 14 Jahre, Jugendpornografie, also Pornografie mit Heranwachsenden bis 18 Jahre – und Erwachsenen-Pornografie, die man ja auch nicht ver­brei­ten darf.

Buhmann: Und ich glau­be, Frank, die Leute haben auch eine fal­sche Vorstellung, die den­ken: Das ist Sex mit Kindern. Zwang. Und so. Es geht bei die­sen Videos und Bildern, die Missbrauch an Kindern zei­gen, was meist im fami­liä­ren Umfeld geschieht und dann ins Netz gestellt wird, nicht nur um ­– Entschuldigung, salopp: Sex. Es sind oft auch Videos vol­ler Gewalt.

Puschin: Man muss sich viel­leicht auch mal von der Vorstellung lösen, das wäre der rei­ne Zwang. Dadurch, dass das meis­tens in Familien pas­siert – wir sehen ja die ver­wa­ckel­ten Videos von der Handykamera – herrscht oft zwi­schen den Kindern und den Tätern noch ein Vertrauensverhältnis. Das wird aus­ge­nutzt.

Buhmann: Da kommt dann der net­te Onkel, ja.

Nicht jeder Sexualstraftäter ist pädophil

Auch wenn es zunächst banal klingt: Nicht jeder, der sich Bilder und Videos von Kindern ansieht, die miss­braucht wer­den, ist ein Pädophiler. Das ist wich­tig, weil es auch ande­re Motive gibt. Der Sexualwissenschaftler und Psychologe Michael C. Seto hat in Studien auf­ge­zeigt, dass es einen Zusammenhang zwi­schen dem Ansehen sol­cher Bilder und Videos und einer pädo­phi­len Neigung gebe, sich also durch­aus eine Präferenz zei­ge, aber: Nicht jeder Pädophile miss­braucht ein Kind ­– und nicht jeder Sexualstraftäter, der das tut, ist pädo­phil. Eigentlich gar nicht so banal.

Puschin: Es sind oft die­se Familienkonstellationen, die einen so scho­ckie­ren. Das fin­de ich belas­tend. Wie ist das bei Dir, Ralf?

Buhmann: Ich glau­be, dass unse­re Arbeit bei der Polizei ins­ge­samt belas­tend ist: Auch der Kollege im Streifendienst, der nachts geru­fen wird und nicht weiß, was gleich kommt, ist belas­tet. Ich will das nicht höher hän­gen, aber es ist schon so, dass mich auch Kollegen fra­gen: Wie kann­st Du das denn frei­wil­lig machen?

Puschin: Das sind ver­mut­li­ch die­sel­ben Vorbehalte wie in der Gesellschaft. Es ist halt ein gro­ßes Tabu. Wenn ich bei Kollegen rum­fra­ge, heißt es auch: Ist ja toll, dass ihr das macht, aber ich könn­te das nicht. Selbst wenn sie kei­ne eige­nen Kinder haben, sagen sie: Ich müss­te an mei­ne Nichten und Neffen den­ken. Was ist das Schlimmste, wür­dest Du sagen?

Buhmann: Das Schlimmste sind nicht die Bilder an sich, es sind die Geräusche, die man mit nach Hause nimmt.

Puschin: Erzählst Du Deiner Familie davon?

Buhmann: Ich mache den Job schon so lan­ge, ich kann da nicht so vie­le Geheimnisse haben. Meine Frau weiß schon, was ich da mache.

Puschin: Meine auch.

Buhmann: Aber im nicht-poli­zei­li­chen Freundeskreis wür­de ich es eher nicht erzäh­len.

Das Gespräch mit Kollegen hilft

Psychologische Hilfe ste­he in jedem Fall bereit, neh­men aber bei­de wohl nicht in Anspruch: Das Gespräch mit den Kollegen sei es, das hel­fe. Beim ers­ten Mal, wenn man viel­leicht noch geschockt ist, kom­me ein erfah­re­ner Kollege – oder auch eine Kollegin, die gibt es hier näm­li­ch auch – und neh­me einen zur Seite.

Die Forscher Arnd Hüneke und Bernd-Dieter Meier kamen in einer Studie 2011 zu dem Schluss: „Kinderpornografie ist ein west­li­ches Phänomen.“ Die Studie, die vom soge­nann­ten White IT-Netzwerk geför­dert wur­de, einer Initiative des nie­der­säch­si­schen Innenministeriums und Vertretern der IT-Branche, ver­or­tet die eher pro­fes­sio­nel­len Inhalte in den ost­eu­ro­päi­schen oder asia­ti­schen Raum, wo auch Kinderprostitution und Sextourismus nicht wirk­sam ein­ge­dämmt sei­en. Das Bundeskriminalamt zähl­te 2015 ins­ge­samt 3.753 Fälle von „Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie“ sowie 597 Fälle von „Verbreitung von Jugendpornografie“ und 2.730 beim „Verbreiten von Kinderpornografie“. Bleibt die Frage: Woher kommt das Material – und wer stellt es her?

Buhmann: Vieles pas­siert in den Familien. Einen rich­ti­gen, kom­mer­zi­el­len Markt gibt es mei­ner Meinung nach nicht. Frank wird bestä­ti­gen: Die Inhalte wer­den meist auf Tauschbörsen gehan­delt, aller­dings nicht gegen Geld. Wenn wir Serien fin­den, die hoch­pro­fes­sio­nell erstellt wur­den, wo die Kinder sogar geschminkt wer­den, dann muss da irgend­wo sicher Geld geflos­sen sein, um das in die­ser — Entschuldigung — Qualität her­zu­stel­len. An einen sol­chen dicken Fisch ran­zu­kom­men, das wäre unser Ziel. Ist aber fast unmög­li­ch. Wir suchen eher, wenn wir etwas fin­den, im direk­ten Umfeld des­je­ni­gen, der die Videos oder Bilder auf dem Rechner hat­te, um fest­zu­stel­len, ob es da einen Missbrauch gab.

Puschin: Für uns als LKA ist es zudem schwie­rig, in die Darknet-Tauschforen rein­zu­kom­men, weil es die soge­nann­te Keuschheitsprobe gibt. Man kommt da nur auf Einladung rein – indem man sel­ber ent­spre­chen­des Material hoch­lädt, um sich als ver­trau­ens­voll aus­zu­wei­sen.

Buhmann: Daher bekom­men wir auch von den Amerikanern oder ame­ri­ka­ni­schen Firmen Ermittlungsergebnisse, wenn die sagen: So, der hier sitzt bei euch. Und dann küm­mern wir uns drum. Die Bilder und Videos unter­su­chen wir, auch anhand von Franks Datenbank, dann auf bestimm­te Orte: Wo wur­de es gedreht, gibt es Spiegelungen, auf der Täter hin­ter der Kamera erkenn­bar sind, gibt es Einrichtungsgegenstände, die man wie­der­er­kennt? Zum Beispiel eine Lampe, die woan­ders auch drauf ist. Solche Dinge.

Puschin: Da ist man manch­mal natür­li­ch wütend.

Buhmann: Ja. Wenn eine Frau zu Dir kommt und sagt: Mein Kind wur­de miss­braucht. Finden Sie raus, wo und so! Und du mus­st sagen: Können wir lei­der nicht. Das ist echt rich­tig übel. Was denk­st Du, Frank?

Puschin: Sehe ich auch so. Es wäre ja auch schein­hei­lig zu sagen, dass man sich dabei nicht als Polizist ertappt: Diesen Mistkerl wür­de ich ger­ne per­sön­li­ch was auf den Rechner spie­len, um ihm das Handwerk zu legen. Dürfen wir nicht. Aber Du wärst, glau­be ich, kein guter Polizist, wenn Du es wenigs­tens nicht kurz den­ken wür­dest in so einem Moment.

Buhmann: Datenschutz. Privatsphäre.

Puschin: Ja, und das ist ja auch rich­tig. Ich mei­ne: Wir leben hier in einer Demokratie, wo man­che Dinge nicht gehen.

Buhmann: Du will­st – auch als Polizist – nicht in einem Staat leben, wo all das mög­li­ch ist. Das ist ein hohes Gut. Stell Dir vor: Du stehst selbst mal unschul­dig vor Gericht, es gibt gefälsch­te Beweise und kei­nen juckt es. Grauenhafte Vorstellung.

Puschin: Auf jeden Fall. Und Du hast es vor­hin selbst gesagt, Ralf: Das meis­te davon pas­siert heim­li­ch irgend­wo in den Familien. Mütter, die ihre Töchter ver­kau­fen oder dem Besuch anbie­ten. Das sind die Konstellationen, an die wir als Gesellschaft ran müs­sen.

Kein Täter werden“

Seit 2011 gibt es an der Charité Berlin das Präventionsnetzwerk „Kein Täter wer­den“. Am Standort Berlin sowie in elf wei­te­ren Städten wird ver­sucht, sexu­el­len Kindesmissbrauch und den Konsum von Missbrauchsabbildungen zu ver­hin­dern, indem es poten­ti­el­len pädo­phi­len Tätern the­ra­peu­ti­sche Hilfe anbie­tet – kos­ten­los und unter Schweigepflicht. Studien zufol­ge mach­ten Pädophile rund 40 Prozent der Täter bei sexu­el­lem Kindesmissbrauch aus. „Nach heu­ti­gem Wissen mani­fes­tiert sich die sexu­el­le Präferenz für Kinder in der Pubertät und bleibt dann weit­ge­hend sta­bil“, sagt Jens Wagner vom Präventionsnetzwerk. „Niemand sucht sich das aus, es ist Schicksal und nicht Wahl.“

Erste Auswertungen am Berliner Standort hät­ten erge­ben, meint Wagner, dass cir­ca ein Drittel der Männer, die dort the­ra­peu­ti­sche Hilfe in Anspruch nah­men, den Konsum sol­cher Missbrauchsdarstellungen voll­stän­dig ein­stell­ten, zwei Drittel kon­su­mier­ten wei­ter, aber weni­ger häu­fig oder weni­ger dras­ti­sches Material. Wichtig sei, sagen die Projekt-Initiatoren, dass man die­se Menschen früh­zei­tig errei­che. Bis 2017 ist das Projekt finan­ziert, das immer kurz­fris­tig, zwi­schen ein bis drei Jahre, ver­län­gert wer­den muss.

Rund 250.000 Männer, schät­zen die Initiatoren, und damit rund ein Prozent der männ­li­chen Bevölkerung, könn­ten sol­ch eine Präferenz für Kinder haben.

Puschin: Die Leute sagen dann im Verhör: Ich gucke mir lie­ber nur Bilder an, statt Kinder anzu­fas­sen.

Buhmann: Das stimmt. Ist auch ganz typi­sch: Da ruft zum Beispiel eine PC-Werkstatt an, sagt: Hallo, wir haben hier etwas auf einem Rechner gefun­den, der bei uns abge­ge­ben wur­de. Das soll­ten Sie sich anse­hen. Und dann kom­men wir und alle erst­mal so: Wir haben damit nichts zu tun! Versprochen! Wir haben es uns nicht mal gen­au ange­se­hen. Menschen haben Angst…

Puschin: …Kindesmissbrauch äch­tet Dich…

Buhmann: …und ich glau­be, Menschen haben ein­fach Angst, sol­che Neigungen an sich selbst fest­zu­stel­len. Die neh­men gleich instink­tiv Abstand und das sehr ent­schie­den. Die tun dann geschockt, um jeden Eindruck zu zer­streu­en, es könn­te ihnen gefal­len.

Puschin: Ist ja bei Kollegen auch so: Keiner will in den Verdacht kom­men, das gut zu fin­den, und jeder muss erst­mal mit einer Äußerung kund­tun, wie schlimm er oder sie das fin­det.

Mutter foltert ihr Kind

2014 kam es zum Verfahren gegen den dama­li­gen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy (SPD). Bei einer Razzia gegen ein kana­di­sches Tauschportal fan­den Ermittler sei­nen Namen, über­mit­tel­ten dies an die deut­schen Kollegen. Man fand „eher harm­lo­ses“ Material, wobei sein Dienstlaptop kur­zer­hand ver­schwand. Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals, Edathy habe mit die­sem mög­li­cher­wei­se auch expli­zi­te­res Material her­un­ter­ge­la­den. Im Zuge der Ermittlungen gab es jeden­falls ein neu­es Gesetz, so dass man heu­te von einer Vor- und Nach-Edathy-Zeit spricht: Bisher stan­den Bilder und Aufnahmen unter Strafe, von denen expli­zit eine „sexu­el­len Handlung“ aus­ging. Das betrifft Posen, aber auch fokus­sier­te Aufnahmen von den Geschlechtsteilen.

Im Jahresbericht des „Zentrums für Kinderschutz im Internet“ (I-KIZ) heißt es: Auf sol­chen Bildern wür­den Kinder meist in auf­rei­zen­den Posten, mit hoch­ge­zo­ge­nem T-Shirt, geschminkt und gene­rell als „ver­füg­bar“ dar­ge­stellt.

Heute wird auch der­je­ni­gen mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, der „eine Bildaufnahme, die die Nacktheit einer ande­ren Person unter acht­zehn Jahren zum Gegenstand hat, her­stellt oder anbie­tet, um sie einer drit­ten Person gegen Entgelt zu ver­schaf­fen, oder sich oder einer drit­ten Person gegen Entgelt ver­schafft“.

Aber es geht hier nicht nur um nack­te, spie­len­de Kinder am Strand: Frank Puschin erklärt kurz ein Video. Den Namen nen­nen wir nicht, um es nicht auf­find­bar zu machen. Ein Kind, ein bis zwei Jahre alt, wird von sei­ner eige­nen Mutter gefol­tert. Details erspa­ren wir. Es geht durch­aus dar­um, das Kind „zu zer­stö­ren“.

Puschin: Das ist eben auch die Wahrheit.

Buhmann: Ja. Privatmenschen haben zum Glück kei­ne Vorstellung davon, Ralf, wie übel die­se Welt manch­mal ist.

Puschin: Ich fin­de: Das müs­sen sie sich auch nicht vor­stel­len müs­sen.

Buhmann: Es reicht schon, wenn wir es für die Gerichte alles aus­dru­cken müs­sen, Bild für Bild. Das sieht die Mehrheit der Gerichte lei­der noch so vor, son­st wird es nicht als Beweismittel aner­kannt.

Tabubruch, Erniedrigung, Sucht

Es gibt wohl fol­gen­de wei­te­re Typen von Leuten, die die­se Bilder und Videos kon­su­mie­ren: Da ist der mora­li­sch-ver­wahr­los­te, den der Tabubruch antreibt, der Sadist, den die Erniedrigung erregt und der­je­ni­ge, der aus man­geln­der Emotionsregulation, Sucht oder Asozialität sol­che har­ten Bilder und Videos kon­su­miert, sagen Experten.

Buhmann: Zudem gibt es den soge­nann­ten Jäger und Sammler, so nen­nen wir den. Der ist nicht pädo­phil, son­dern hor­tet ein­fach alles, da ist dann auch – ver­se­hent­li­ch – Kinderpornografie dabei. Er guckt sich sei­ne gan­zen Sammlungen viel­leicht gar nicht an.

Puschin: Oft ist eine gewis­se Präferenz erkenn­bar. Und es gibt Bilder, da ist gar kei­ne Pose. Da ist viel­leicht gar kein Missbrauch. Da sind Kinder viel­leicht ein­fach nur nackt. Am Strand. Du will­st ja nicht alle Eltern unter Generalverdacht stel­len. Du siehst das Bild und denk­st: Das ist aber irgend­wie komi­sch.

Buhmann: … ein Bauchgefühl, dar­um kann­st Du auch kei­nen Polizisten durch eine Datenbank erset­zen.

Puschin: Das sind Bilder, die siehst Du Dir an und sagst: Also wenn das jetzt nicht sei­ne eige­nen Kindern sind.

Buhmann: Wie wer­tet man das Bild. Wie bewer­tet man den­je­ni­gen, bei dem man es fin­det?

Puschin: Das ist eben ganz schwie­rig. Und weißt Du, Ralf, dar­um erzäh­le ich das im Gegensatz zu Dir ger­ne abends beim Bier im Freundeskreis: Ich mache da qua­si eine pri­va­te Awareness-Veranstaltung dar­aus. Damit die Leute sen­si­bler wer­den für das Thema. Und ich glau­be, das ist auch das Wichtigste. Denn wo sind immer die Nachbarn, die Großeltern, die Bekannten, wenn ein Missbrauch pas­siert? Wo sind die, die spä­ter sagen wer­den: War immer schon alles ganz komi­sch bei denen. Kindern hel­fen heißt: Lieber einen Blick mehr als einen zu wenig. Wir müs­sen ganz vor­ne anfan­gen und nicht am Schluss, wenn es nur noch dar­um geht, die Scherben auf­zu­keh­ren.

Anmerkung:

Nach der gest­ri­gen Pressekonferenz gab es eine neue Entwicklung: Bundestag und Bundesrat bera­ten im November dar­über, ob es ab 2017 ein neu­es Gesetz geben soll, das die Finanzierung des Projekts in die Hände der gesetz­li­chen Krankenkassen legt. Derzeit wird das Projekt „Kein Täter wer­den“ für das kom­men­de Jahr vom Berliner Senat getra­gen.

Alexander Krützfeldt

Ist eigentlich ausgebildeter Tageszeitungsredakteur. Merkt man aber heute auch nix mehr von. Alexander Krützfeldt arbeitet zu den Bereichen Justiz, Kriminalität, Missstände im Allgemeinen (was oft auch sein eigenes Leben betrifft) und schreibt ausschließlich Reportagen und Portraits im New-Journalism-Style. Glaubt er jedenfalls.

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